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Der Weg zur Empathie 3.0 - oder wie Vorgesetzte wieder professionell führen

Empathie gilt seit langem als wichtiger Faktor im menschlichen Miteinander. Doch was kann sie wirklich, und wo sind ihre Grenzen?

Empathie ist vielen Menschen ein Begriff, sei es im Gespräch mit dem Partner, in der Gehaltsverhandlung mit den Mitarbeitern oder im alltäglichen beruflichen Leben. Empathie gilt seit langem als wichtiger Faktor im menschlichen Miteinander. Doch was kann sie wirklich, und wo sind ihre Grenzen?

Angefangen hat alles ganz einfach. Die sogenannte Empathie 1.0 bezeichnet das emotionale Einfühlungsvermögen. Von Vorteil für den Chef? Wohl kaum. Wer zu viel Emotionalität an den Tag legt, leidet schnell unter Hochsensibilität, Überempfindlichkeit und lässt sich emotional anstecken. Sich von den eigenen Gefühlen leiten zu lassen, kann schon anstrengend genug sein. Wenn es dann noch die Gefühle anderer sind, kann das lähmen, stressen und rationale Entscheidungen fast unmöglich machen. Dinge, die man als Chef nicht gebrauchen kann.

Da birgt die Empathie 2.0, welche das Management seit den 1990ern prägt, doch weit mehr Vorteile. Eine Umfrage von StepStone und Kienbaum Consultants International unter 12.000 Angestellten zeigt, dass sich Mitarbeiter vor allem eines von ihrem Chef wünschen: Klare Anweisungen. Das bringt Führungskräfte jedoch immer mehr in die Lage, einen emotionalen Spagat zu halten. Einen?

„[F]ühren, aber bitte mit Gefühl.
Autorität zeigen, ohne autoritär zu sein.
Innovation fordern und Tradition fördern.
Nicht bloß exekutieren und delegieren, sondern diskutieren und inspirieren.
Ziele definieren […], aber gleichzeitig die Selbstverwirklichung der Angestellten fördern.“
WirtschaftsWoche 16/13.1.2017, S.20.

Und immer gilt: Bitte lächeln

Das Instrument der Empathie 2.0 lautet emotionale Intelligenz. Sie soll es Führungskräften ermöglichen, gute Menschen zu sein und trotzdem eine bessere Führungskraft zu werden. Denn Empathie war bisher immer eines: sympathisch, aber kein guter Ratgeber; Gefühl, aber ohne Verstand; Herz, aber ohne Kopf; Mitleid, aber ohne… eben einfach Mitleid. So und ähnlich weisen Psychologen und Verhaltensforscher die Kompetenz der Empathie 1.0 aus. Was in Version 2.0 alles anders sein soll. Die emotionale Intelligenz soll Herz und Kopf miteinander verbinden, um unterschiedliche Verhaltensstile in unterschiedlichen Situationen einsetzen zu können. Um Empathie effizient mit Durchsetzungsfähigkeit zu kombinieren.

Doch der natürliche Imagevorteil aus Optimismus, Einfühlsamkeit und Rücksichtnahme bringt auch seine Schatten mit sich: Wenn man versteht, was andere wollen und fühlen, wo ist dann die Grenze zur Manipulation? Im eigenen Gerechtigkeitsempfinden? In einer Welt, deren Merkmale Leistung, Stress und Burn-Out geworden sind? Wohl kaum. Neben dem Spagat der Führungskräfte zwischen Ansehen und Erfolg bleibt hier nur wenig Platz für die eigenen Verantwortlichkeiten.

Der empathischen Führung sind also Grenzen gesetzt. Ausnutzungspotenziale und Manipulation sind nur zwei Nebeneffekte von zu viel partizipativ-kooperativ und zu wenig Führung. Dennoch besteht ein klarer wirtschaftlicher Mehrwert, wenn Mitarbeiter von ihren Chefs motiviert werden, stärkeres Engagement zeigen und die Zufriedenheit steigt. Doch zu viel Menschlichkeit bietet eben auch Angriffsfläche.

In Zeiten zunehmenden Leistungsdrucks in der Konsum- und Leistungsgesellschaft, wo es um Zusammenarbeit statt Freundschaft, um gute Zahlen statt gute Stimmung geht, wird der Bedarf nach Entschleunigung und Stressmanagement laut.

Zeit für die Empathie 3.0?

Das Zentrum dieses noch sehr frischen Ansatzes ist Gelassenheit. Führungskräfte lernen, ihr inneres Gleichgewicht zu managen und nicht mehr nur über emotionale Intelligenz, sondern eben auch über emotionale Weisheit zu verfügen. Emotionen werden bewusstgemacht, dann zugelassen und anschließend losgelassen. Was die meisten wohl als Professionalität bezeichnen würden, heißt ab jetzt emotionale Weisheit.

Die Lösung aus dem Dilemmata der zu partizipativ-kooperativen Führung?

Ein Allheilmittel für jede betriebliche Situation gibt es nicht – dennoch kann es helfen, die Distanz zu wahren. Etwas Ignoranz schadet nicht. Und empathischer formuliert: Auf der Basis aus Respekt und Wertschätzung lassen sich Rationalität und Durchsetzungsfähigkeit aufbauen. Denn: die Mischung macht´s.

Es gilt also für die moderne empathische Führung:

  • Gemeinsamkeiten finden, Ziele schaffen und Unterschiede berücksichtigen.
  • Zuhören ist eine Voraussetzung, Lösungen für jeden zu präsentieren, jedoch nicht.
  • Der Umgang mit Emotionen ist zu lernen, sich von ihnen leiten zu lassen, verkehrt.
  • Und im Kern bleibt: innere Gelassenheit.

Gastbeitrag von Sarah Beermann, Consultant IUBH, Bad Honnef, Redaktion Delveo Blog
Quelle: Fotolia.de, WirtschaftsWoche 16/13.1.2017, S.20

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